Der Lebensbus

In the end, it’s not the years in your life that count. It’s the life in your years.- Abraham Lincoln

Stell dir vor dein Leben wäre ein Bus.
Ein Bus, der einer Route folgt.
Durch die Welt zieht, von Haltestelle zu Haltestelle.
Durch Straßen, Städte, Schluchten und Dörfer.
Vorbei an Menschen, Momenten, Schauspiel und Meeren.
Über Berge, Brücken und bunte Wiesen.

Sag, wer fährt ihn, deinen Bus?
Wer sitzt auf dem Fahrersitz?
Wer entscheidet über den nächsten Halt?
Über Zeit, Passagiere und Routenplan?

Wer öffnet die Türe für neue Fahrgäste? Wer schließt sie wieder?
Wer entscheidet, wer mit dir reisen darf, in deinem Bus?
Wer bittet Schwarzfahrer – recht höflich – zu gehen?
Wer wacht über den Ölstand? Wer prüft die Tankanzeige?
Wer sorgt für Reparaturen und Pflege deines Busses?
Wer bestimmt das Tempo, in dem gefahren wird?
Wer die Drehzahl, mit der dein Motor arbeitet?

Wer sitzt auf den hinteren Sitzplätzen?
Du?
Oh, das ist schön.
So kannst du gemütlich aus dem Fenster schauen.
Straßen, Städte, Schluchten und Dörfer bestaunen.
Menschen, Momente, Schauspiel und Meere erspähen.
Dich über Berge, Brücken und Wiesen freuen.
Du hast nichts zu tun mit der Technik, der Pflege und Route.
Denn jemand anderes fährt deinen Bus.
Das ist sicher sehr entspannend für dich.

Doch…
Was ist, wenn die vom Busfahrer ausgewählten Straßen, Städte, Schluchten und Dörfer nicht alles sind?
Wenn die gesehenen Menschen, Momente, Schauspiele und Meere nicht diejenigen sind, die dir Aufgaben schenken?
Wenn Berge, Brücken und Wiesen dir gar keine Freude bereiten?

Was ist, wenn du insgeheim lieber durch Felder, Wälder und Wüsten fahren würdest?
Vorbei an Tieren, Illusionen, Tänzen und Bildern?
Über gefrorene Seen, Bäche und Flüsse?

Entschuldige, das alles kannst du gar nicht wissen, wenn du hinten sitzt.
Du kennst einzig das, wohin du gefahren wirst.
Um Unterschiede zu erkennen, hilft nur ausprobieren.
Mal rechts abbiegen, mal links.
Eine rote Ampel überfahren und an einer grünen zum Stehen kommen.
Dort aussteigen, wo du noch nie warst.
Weiterfahren, wenn du nicht willkommen bist und dort verweilen wo du gebraucht wirst.

Probiere ihn doch mal aus, den Fahrersitz.
Er fühlt sich gut an.
Übernimm du das Steuer deines Lebensbusses.
Lenke, pflege und hege ihn.
Kümmere dich liebevoll um deine Passagiere, sie sind deine Gäste.
Sie haben großes Glück, wenn sie mit dir reisen dürfen.
Denn deine Reise ist einzigartig.

Entscheide du über den nächsten Halt. Und über Zeit, Passagiere und Routenplan.

Öffne du die Türe für neue Fahrgäste und schließe sie wieder.
Entscheide du, wer mit dir reisen darf und bitte Schwarzfahrer – recht höflich – zu gehen.
Wache sorgsam über den Ölstand. Prüfe auch die Tankanzeige regelmäßig. Repariere und pflege ihn gut, deinen Bus.

Wähle du das Tempo deiner Reise.

Schnall dich an. Und ab.

Ich wünsche dir eine gute Reise. In deinem Lebensbus.

Deine Nele

 

Vorgelesen. Der Lebensbus.

Gelesen von Stefan Lapenat.
Schnall dich vorher an.
Oder ab.
Ganz so, wie du magst.

2 Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Auch wenn das stark nach Kalenderspruch klingt… Albern? Kitschig? Vielleicht. Aber verdammt nochmal – es ist so! Und ich bin dankbar für diese Tage. Für die Tage, Stunden und Minuten, die ich sein darf. Einfach sein darf. Und ich geben mir große Mühe, sie so aktiv wie möglich zu gestalten. Sie nicht „passieren“ zu lassen. Ich hab den Fahrersitz übernommen. Den Fahrersitz meines Lebensbusses. […]

  2. […] Er ist ein goldener Schatz. Aber was ist, wenn nicht? Was ist, wenn nicht du am Steuer deines Lebensbusses sitzt, sondern jemand anderes? Frage dich: Ist das Leben, das ich anstrebe wirklich erstrebenswert […]

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