8 Möglichkeiten, die dir heute noch helfen zu entscheiden, ob Loslassen die richtige Entscheidung ist.

Some of us think holding on makes us strong. But sometimes it is letting go.- Hermann Hesse

Meine Gedanken zum Thema „Loslassen“ beginnen mit einer kleinen Zeitreise.
Mit einer Reise in meine Kindheit.

Ich erinnere mich noch recht gut an die bunte Zeit der Luftballons. Sie schmückten Geburtstagspartys und oft erfreuten sie mein Kindergemüt während langweiliger Messebesuche oder verkaufsoffener Sonntage im Elektronikmarkt.
Und im besten Falle konnten sie sogar… richtig fliegen!

Diese Flugballons wurden mir als kleines Mädchen sanft ans Handgelenk gebunden, damit ich sie nicht – kindlich ungeschickt – aus Versehen loslasse und den schlimmen gen-Himmel-Verlust mit einem Heulanfall beklage. Die wenigen Male, die es doch passierte, hatten dennoch etwas Magisches. Dem Ballon – so prall und leicht zugleich, voll mit Luft und Unbekanntem – zuzusehen, wie er in den Himmel zieht. Zu sehen, wie er seinen Kampf gewinnt. Ja, er gewinnt. Er verschwindet schließlich dorthin, wo es ihn ganz offensichtlich hin zieht.

In den weiten Himmel.

Ich schaute ihm oft lange nach. So lange, bis er aus meinem Sichtfeld verschwand.
Was erlebt der Luftballon wohl auf seiner Reise? Eine Frage, die mir als Kind einen Schatz aus bunten Bildern schenkte. Diese Bilder reichten von „mein Zwergkaninchen Lisa hält ihn jetzt in ihrer Pfote“ bis hin zu „es gibt eine Wolke, die alle verlorenen Ballons bei sich aufnimmt“, über „der fliegt jetzt bestimmt einmal um die ganze Welt…“.
Und von dieser Reise wollte ich ihn, mit Strick und Knoten bewaffnet, abhalten.
Abhalten.
Von seinem Weg.
Ihn lieber bei mir behalten, als ihn dorthin ziehen zu lassen, wo er so dringend hin zu fliegen träumte.

Mein eigener Feldversuch (ich gebe zu, er ist einige Jahre her) ergab folgende Erkenntnis:
Es gibt zwei Möglichkeiten im Luftballonleben.

  1. Vorerst scheine ich zu siegen. So befördere ich den nach Himmel rufenden Ballon in mein Kinderzimmer, wo er wenige Tage an meiner Zimmerdecke klebt. Das spielende Kind beobachtend. Stumm. Völlig stumm. Der Weg in den Himmel nicht erreichbar für ihn. Das Fenster bleibt zu. So verendet er. Langsam. Verliert seine Luft. Verliert seinen Halt. Fällt zu Boden. Der bunte Ballon landet im gelben Sack. Ein neuer kommt bestimmt sehr bald! So prall und leicht zugleich, voller Luft und Unbekanntem.
  2. Er gewinnt den Kampf, befreit sich auf der Kindeshand und fliegt seinen Weg. Hoch hinaus!

Der Luftballon steht – im Folgenden – für etwas, das sich nicht gut anfühlt, in unserem Leben. Für etwas, das nicht am richtigen Platz zu sein scheint. Für etwas, das wir festhalten, wobei wir gar nicht sicher sind, ob es wirklich gut für uns ist. Für etwas, das nach einer anderen Richtung schreit.

Gibt es einen solchen Luftballon in deinem Leben?

Das Luftballonbild kann z.B. für folgendes (und noch viel viel mehr…) stehen:

 

  • Menschen, in unserem Umfeld, die uns nicht gut (im schlimmsten Falle sogar weh) tun.

    Wenn Menschen dir über einen längeren Zeitraum mehr weh tun als gut, sie dir oft Kummer und kaum Freude bereiten, dann kannst du darüber nachdenken, den Faden los zu lassen.
    Vielleicht helfen dir folgende Fragen:
    Wie viel Positives brachte dieser „Menschballon“ in den letzten 6 Monaten in dein Leben?
    Und: wie viel Negatives brachte er? Wovon gibt es mehr?

    Einen „Menschballon“ gehen zu lassen, fällt oft schwer.
    Dennoch: Manchmal ist es einfach an der Zeit. Du wirst es spüren, wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist.
    Hab Mut! Du kannst Platz für Neues schaffen.

  • Sorgen über etwas, was eventuell in der Zukunft eintreten wird.

    Oh, das sorgenvolle Glaskugelgucken. Du fühlst Sorgen in dir, weil etwas theoretisch irgendwann einmal eintreten könnte.
    Frage dich: Wie wahrscheinlich es ist, dass der Zustand deiner Sorgen tatsächlich eintritt?
    Was meinst du? Lohnen sich die Sorgen tatsächlich?
    Lass die Sorgen fliegen. Sie bringen dich meist nicht weiter. Sondern lösen Ängste aus.
    Mach dir lieber Platz für Träume! So fokussierst du dich auf Ziele. Das ist viel effektiver als in Sorgen zu schwimmen.
    Zum Thema Zielsetzung könnte dich dieser Artikel interessieren.

  • Jobs, die uns auslaugen und nicht glücklich machen.

    Ja, Geld verdienen ist wichtig. Keine Frage. Und, dass das Leben kein Ponyhof ist, unterschreibe ich (manchmal un-)gern. Dennoch dürfen wir uns die Frage stellen, ob die vielen Stunden, Tage und Wochen, die wir am Arbeitsplatz verbringen, mit schlechter Laune, fehlender Motivation, frei von Sinn, dafür voll spürbarem Stress, im richtigen Verhältnis zu der Zeit stehen, die wir nicht dort verbringen.
    Was für Alternativen gibt es für dich? Was hält dich davon ab, den „Jobballon“ fliegen zu lassen?
    Vielleicht suchst du dir einen neuen? Einen, der zu dir passt. Und du zu ihm. Es gibt viele bunte „Jobballons“.
    Ich bin sicher, auch für dich ist der Richtige da draußen.

  • Perfektion.

    Lass sie fliegen!
    Die brauchst du nicht.
    Ganz einfach.

  • Hobbies, die wir ausüben, "weil wir das schon so lange machen", und es doch irgendwie dazu gehört.

    Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir keine Freude mehr an unserem Hobby. „Ich muss dringend mal wieder zum Basketball gehen“ oder „beim Yoga war ich schon lange nicht mehr…“.
    Kennst du solche Sätze?
    Wenn ja, dann frage ich dich: warum warst du schon lange nicht mehr beim Basketball oder Yoga? Keine Zeit? Oder…. (andere Worte für „keine Zeit“) keine Lust? Keine Lust zu haben, ist ok. Und wenn du über einen längeren Zeitraum keine Lust hast, dann melde dich ab. Ganz einfach. Es scheint nicht mehr das richtige Hobby für dich zu sein. Lass es fliegen. Such dir ein neues Hobby. Eines, was dir wirklich Freude bereitet, dich motiviert und antreibt und den Tag verschönert.
    Die meisten „ich müsste mal wieder…“ – Sätze sind ein guter Indikator fürs fliegen lassen.

  • Lebenspläne, die wir einst geschmiedet haben und stolz verfolgen, sie aber kaum hinterfragt und angepasst haben, während wir uns verändert haben.

    Wir ändern uns.
    Stetig.
    Unsere Bedürfnisse müssen sich entfalten und wir müssen uns mit diesen kennen lernen. Wusstest du mit 18 schon, was dich wirklich antreibt?
    Das, was du dir damals für dein Leben gewünscht hast, trifft das heute noch zu? Vielleicht lebst du es sogar und bist sehr glücklich damit. Wenn ja: herzlichen Glückwunsch! Halt ihn gut fest, deinen „Lebens(plan)ballon“. Er ist ein goldener Schatz.
    Aber was ist, wenn nicht? Was ist, wenn nicht du am Steuer deines Lebensbusses sitzt, sondern jemand anderes?
    Frage dich: Ist das Leben, das ich anstrebe wirklich erstrebenswert für mich?
    Wie viele deiner persönlichen Bedürfnisse werden dadurch erfüllt, welche nicht?
    Wenn sich dein Lebensplan nicht gut anfühlt für dich, sondern aus Vernunft geschmiedet (oder festgehalten) wurde, dann: lass ihn fliegen! Schmiede einen neuen Plan. Bau dir dein Leben so, dass es dich glücklich macht.

  • Dinge zu tun, um Anderen zu gefallen.

    Gefalle dir. Das macht dich unabhängig, frei, ehrlich und liebenswürdig. Dadurch gefällst du automatisch anderen. Weil du du bist.

  • Kontrolle über dich und andere.

    Siehe Perfektion.
    Fliegen lassen.
    Schnell.
    Fly.

Darf ich dich nochmals an die beiden Möglichkeiten im Luftballonleben erinnern? Lass es mich nun ins Leben übertragen.

Es gibt zwei Möglichkeiten im Luftballonleben:

  1. Vorerst scheinst du zu siegen. So hältst du den nach Veränderung rufenden Luftballon fest – in deiner Welt. Er bleibt, klebt an der Decke, beobachtet dich, vielleicht stört er dich sogar. Doch er bleibt. Vorerst. Denn auch er verliert irgendwann seine Luft. Auch du verlierst bald deine Luft. Laut oder stumm. Das Fenster bleibt zu. Er verliert seinen Halt. Du ebenso. Er fällt zu Boden. Dort liegt er nun, dein Luftballon.
    Wo bist du?
  2. Der Veränderungsballon überzeugt dich. Du lässt ihn ziehen. Er fliegt seinen Weg. Und du deinen.
    Hoch hinaus!

Einen Luftballon los zu lassen, bedeutet allerdings nicht ihn aufzugeben!

Aufgeben hat seine Wurzeln in der Angst. Loslassen wurzelt im Vertrauen. Vertrauen darauf, dass das, was vor uns liegt, besser passt als das, was wir los zu lassen gedenken. Durch Loslassen schaffen wir Platz für Neues. Geben wir auf, ist dieser Platz durch Angst besetzt.
So entsteht kein Platz.

Wann hast du zum letzten Mal etwas los gelassen?

Wie hast du dich danach gefühlt?

Ich freue mich sehr auf deine Loslass-Geschichte.

Deine Nele

13 Antworten
  1. Judith
    Judith says:

    Liebe Nele,

    Der Artikel ist einfach nur genial. Das mit dem Liftballon ist eine sehr sehr schöne Analogie für’s Loslassen.
    Auch die Dinge die wir alle loslassen sollten sind einfach nur wahr. Mir persönlich fällt das bei Menschen am schwersten. Beim ein oder anderen der mir nicht gut tat habe ich den Schritt gewagt, aber da gibt es noch Potenzial.
    Vielen Dank für diese Versinnbildlichung!

    Lg
    Judith

    Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Liebe Judith, ich danke dir für deine Worte. Schön, dass du den Loslass-Schritt schon gegangen bist. Und das Potenzial verbuchen wir als Chance, oder? Alle Ballons gleichzeitig los zu lassen ist sicher nicht der richtige Weg (gibt es den überhaupt? Hach, immer diese philosophischen Fragen:-)). Ich wünsche dir weiter viel Erfolg und Freude beim Loslassen.
      Deine Nele

      Antworten
  2. Madeleine
    Madeleine says:

    Liebe Nele,

    wie schön diese Geschichte zu lesen. Erinnert sie mich doch auch an die vielen Dinge, die ich schon losgelassen habe.
    Und auch immer noch loslasse. Ich finde es so großartig, dass du deinen Jobballon losgelassen hast und nun Zeit findest für diese zauberhaften Geschichten, Impulse, Denkanstöße und Gedankensplitter.

    Mit Vorfreude auf weiteres.
    LG Madeleine

    Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Oh, Madeleine, ich danke dir für deine lieben Worte. Ich hoffe deine Erinnerungen an losgelassene Ballons lösen ähnliche Freude in dir aus. Das Loslassen ist ein stetiger Begleiter. Ich wünsche dir weiterhin gute Loslass-Entscheidungen und Platz-schaff-Momente, wenn sie nötig sind.
      Deine Nele

      Antworten
  3. Sabine
    Sabine says:

    Liebe Nele,
    was für eine schöne Metapher mit dem Ballon und so wahr und so schön erzählt. Ich werde zuküntig meine“Luftballons“ viel eher ihren Weg fliegen lassen.
    Liebe Grüße und alles Gute für dich wünscht dir
    Sabine

    Antworten
  4. Claudia
    Claudia says:

    Liebe Nele, das ist ein wunderbarer Beitrag, sowohl sprachlich als auch inhaltlich! Ich befasse mich seit längerem mit dem Loslassen, dem Aufhören, dem Verändern- da fand ich es schön, gleiche Gedanken von einem anderen Menschen zu lesen. An allen Ballons arbeite ich. Liebe Grüße, Claudia

    Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Liebe Claudia,
      es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Sehr sogar. Das Loslassen ist ein zentrales Thema, das uns ständig begleitet. Beim bearbeiten deiner Ballons wünsche ich dir viel Erfolg. Und Raum. Und Freude. Freude an dem Raum der durch Loslassen entsteht.
      Herzliche Grüße
      Nele

      Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Liebe Alina,
      oh wie schön! Beim Loslassen wünsche ich dir weiterhin viel Kraft, aber auch Freude über den neu geschaffenen Raum, der entsteht.
      Deine Nele

      Antworten
  5. Mia
    Mia says:

    Liebe Nele,

    ich finde den Artikel ganz groß. Ganz einfach und so viel drin.
    Ich habe in den letzten Wochen viel über Loslassen nachgedacht und seit Kurzem klappt es tatsächlich besser. Und mir geht es damit besser. Ich könnte so viele Beispiele nennen, aber nur eines, da es so zu deinem Text passt: Wenn ich mich durch viele Aufgaben, Arbeit usw. gestresst fühle, stelle ich mir immer vor, dass ich das alles in einem Luftballon packe und diesen fliegen lasse bis er aus dem Blickfeld ist. Mein ganzer Körper verändert sich dann sofort: ich atme komplett aus und lasse die Schultern sinken. Mit den Gedanken lasse ich meinen Körper los. Also spielt sich seit einigen Wochen genau dieselbe Metapher, die du auch verwendet hast, erfolgreich in meinem Kopf ab. Ist ne Übungssache 🙂

    Eine kleine Anmerkung habe ich: du schreibst unter dem ersten Punkt, dass wir überlegen sollen, wieviel Positives und wieviel Negatives ein Mensch uns bringt und am Ende überprüfen soll, auf welcher Seite mehr steht. Aber aber aber (denke ich da sofort): diese + – Rechnung geht doch nicht auf! Wir brauchen doch viel eher eine Wagschale, in der wir die positiven und negativen Erlebnisse legen und sehen, wie schwer sie jeweils wiegen. Vielleicht habe ich 4 Negativpunkte, aber einen einzeigen positiven Punkt, der allerdings so wertvoll ist, dass er die negativen Punkte verblassen lässt!
    Nur als kleine Anmerkung. Generell finde ich es gut, sich diese Dinge bewusstzumachen und aufzuschreiben.

    Alles Liebe!

    Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Liebe Mia,

      ich danke dir für deine Worte. Schön zu lesen, dass das Luftballonbild bei dir auch so gut klappt.

      Zu deiner Anmerkung. Ich verstehe deinen Punkt gut. Diese Rechnung hört sich erstmal seltsam an. Es geht ja schließlich um Menschen! Die Menschen, die ich meine, sind diejenigen, die sich nicht einfach nicht gut anfühlen, in unserem Leben. Ich erlebe selber wie oft wir an Menschen haften (das Band festhalten), wobei mit ihnen so viel Negatives und eine schlechte Gefühlsbilanz in uns entsteht. Was hält uns auf den Ballon gehen zu lassen? Gewohnheit? Angst vor dem Alleinsein? Oft fühlt sich das negative Gefühl mit dem Menschen als das kleinere Übel an. Das finde ich schade, denn so verbauen wir uns Chancen auf Neues. Auf Besseres. Auf gute Gefühle. Und dabei nicht nur uns. Auch dem anderen Mensch-Ballon.

      Dein Waagschalen Bild gefällt mir gut. Wenn du an jemanden denkst, der mit seinem einem Positiven bei dir GUTE Gefühle hervorruft, dann ist das doch super! Wichtig finde ich zu hinterfragen, wie sich diese Bilanz anfühlt. So kannst du die Intensität in der Schale überprüfen, und musst nicht + und – zählen. Sehr gut!

      Liebe Mia, dir weiter viel Erfolg und Stärke beim Loslassen. Und bei allem anderen auch.

      Herzliche Grüße

      Nele

      Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] los, diesen vermeintlichen Traum. Einen hilfreichen Artikel zum Thema Loslassen“ findest du hier. Du bist auf der Suche, da kommen einem einige „Fallen“ in den Weg. Gut getarnt als das, wonach […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.