Warum der Tod meiner Freundin mir zu unerwartetem Glück verhalf.

Ich gebe zu, der Titel klingt hart. Herzlos. Lieblos. Kalt. Doch gemeint ist etwas ganz anderes.

Geliebt habe ich sie. Oh ja!

Sie war eine wunderbare Freundin, die für immer einen Platz in meinem Herzen haben wird.

Mein Leben lang werde ich bei jedem Käsekuchen an sie denken (NY Cheesecake, den konnte nur sie backen!), werde bei dem Lied „It never rains in Southern California“ an unsere wunderbare Route No 1-Tour durch Kalifornien denken und lauthals mitsingen. Jedes vertraute, dumpfe „plock-Geräusch“ (Ball-trifft-Schläger) lässt mich an unsere lustige Zeit auf dem Tennisplatz erinnern. Ich vermisse sie sehr. Sehr.
Doch… Was hat sich positiv verändert in meinem Leben, seit ihrem (viel zu frühen) Tod? Darum soll es hier gehen. Auch wenn das erst einmal komisch klingt. Doch da gibt es einiges. Eines noch: Mit keiner Silbe möchte ich vermitteln, dass mein Leben ohne sie besser ist! Ganz wichtig.

Ihr früher Tod hat uns alle erstarren lassen. Trauer lähmt wahnsinnig und es tut so weh. Die Ungerechtigkeit der Umstände macht es nicht einfacher.

Und dennoch gibt es eine Zeit danach.

Eine Zeit, die auf die Schockstarre folgt.
Dann soll das Leben auf einmal weiter gehen. Trotz Lücke. Trotz Schmerz. Trotz Widerstand. Und genau das war ein ganz entscheidender Moment für mich.
Das Leben soll weiter gehen? Ohne sie?

„Die Zeit heilt alle Wunden…“

… wie oft gehört, wie oft verflucht und für mich klar widerlegt. Die Wunden heilen nicht!
Sie bleiben. Sie verändern uns. Und die Veränderung bringt Chancen. Die Wunden bleiben, doch die Chancen lassen uns weiter leben und den Blickwinkel wechseln. Das ist es, was die Zeit mit sich bringt. Veränderung. Keine Heilung.

Auf einmal war Sie da. Ganz automatisch. Ich spürte die Veränderung heftig. Sie prallte in meine Wunde. Ein seltsames Gefühl.
Ich sah mein Leben plötzlich bewusster und wertvoller. Wachte morgens auf und hab mich richtig gefreut mich zu spüren. Manchmal habe ich meinen eigenen Arm angefasst, mich gekniffen, um mich zu vergewissern, dass ich fühlen kann. Dass ich lebe. Seltsam, oder?
Müssen wir erst spüren, dass es so plötzlich vorbei sein kann? Müssen wir diesen schlimmen Schmerz spüren, um den großen Wert des Lebens zu empfinden?

Das habe ich gelernt:

 

  • Jeder, ja, jeder Tag ist ein Geschenk.

    Auch wenn das stark nach Kalenderspruch klingt… Albern? Kitschig? Vielleicht. Aber verdammt nochmal – es ist so! Und ich bin dankbar für diese Tage. Für die Tage, Stunden und Minuten, die ich sein darf. Einfach sein darf. Und ich geben mir große Mühe, sie so aktiv wie möglich zu gestalten. Sie nicht „passieren“ zu lassen. Ich hab den Fahrersitz übernommen. Den Fahrersitz meines Lebensbusses.

  • Gesundheit gibt den Ton an.

    „Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.“  Ludwig Börne.

    Ja. Gesundheit gibt den Ton an. Noch so ein Kalenderspruch, der zur Wirklichkeit wurde. Ich gehe besser mit mir um, höre auf meine Körpersignale, gönne mir Pausen, Zeit für schöne Dinge, auch Zeit für mich. Ist etwas nicht in Balance? Dann gebe ich alles, um die Balance wieder herzustellen. Denn ich ernähre mich gewiss nicht von grünen Smoothies und meditativen Klängen. Ich genieße mein Leben. Und muss auf Balance achten. Ganz einfach eigentlich.

  • Was ist das schlimmste, was passieren kann?

    Vor schwierigen oder wichtigen Entscheidungen stelle ich mir die Frage „was ist das schlimmste, was passieren kann?“
    Hey! Ich hab den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt (lies hier mehr zu meiner persönlichen Geschichte)! Warum? Weil nichts dagegen spricht es auszuprobieren. Das, was ich hier mache, ist schon lange mein Traum. Warum also warten? Vor allem… Worauf warten? Die bevorstehende Bonuszahlung noch abwarten? Nach dem Bonus ist vor dem Bonus. Das zählt nicht. Just do it!
    Leider konnte ich sie nicht mehr nach ihrer Meinung fragen. Aber ich kenne ihre Antwort… Sie hätte gelächelt, und dann gesagt, dass ich es machen muss, wenn es sich so gut anfühlt. Einfach ausprobieren. Oh, sie hat so recht! Und… es fühlt sich wirklich sehr gut an.

  • Das Herz sprechen lassen.

    Ich sage den Menschen, die ich liebe, dass ich sie liebe.Regelmäßig. Vielleicht, weil ich Angst habe, es zu verpassen. Es zu selten oder gar nie gesagt zu haben. Jeder, der geliebt wird, freut sich darüber, es zu wissen.

  • Was alle ist, ist alle (oder auch: „Entspann dich, Nele“)!

    Oh ja, DAS habe ich von ihr gelernt. Klingt vielleicht albern, aber wie oft habe ich mich verrückt gemacht, wenn ich nur 3 Freunde zu mir nach Hause eingeladen habe. Sind genügend Getränke da? Was kann ich kochen (kann ich ja gar nicht!)? Aaah, ich muss schnell einkaufen gehen! Ich höre sie heute noch sagen: „ist doch kein Problem, wir schauen einfach mal, was da ist. Und: was alle ist, ist alle!“
    Heute bin ich ganz anders. Eine spontane Gartenparty? Klar! Jeder bringt eine Flasche mit und wenn die Zeit knapp ist, bestellen wir Pizza oder Sushi. Wir sitzen auf Decken auf der Wiese, und ich verteile Pullis, wenn es kalt wird. Das waren bisher die großartigsten Abende. Spontan. Ohne Stress. Lustig. Und: „Was alle ist, ist alle!“

  • Ehrlichkeit.

    Ich bin ehrlicher geworden. Mit anderen und mir selbst. Habe Freund- und Liebschaften, Hobbies, Jobs und Regeln hinterfragt. Was davon passt tatsächlich zu mir? Was beflügelt mich? Was beschwert? Das mag egoistisch klingen, aber am Ende geht es dabei um Ehrlichkeit. Denn, wenn ich nicht wirklich überzeugt bin, dann bin ich zu meinen Freund- und Liebschaften, Hobbies, Jobs und Regeln nichts anderes als unehrlich. Und das möchte ich nicht sein! Dazu musste ich „Neinsagen“ üben. Zu Verabredungen, Jobangeboten, verlockenden Partys… Wenn ich keine Lust habe, dann bin ich auch keine ehrlich nette und gute Begleitung, Mitarbeiterin. Es geht um Qualitätszeit. Nicht um Quantitätszeit. Um Authentizität. Nicht um Fassade.

  • Mein Fernseher schweigt.

    Ja, ich schaue kaum noch fern. Dieser Stuss, der dort – fast ausschließlich – gezeigt wird, dient nur einem: dem Totschlagen von wertvoller Zeit. Also dem Gegenteil von Leben. Fernseher bleibt aus. Es bleibt mehr Zeit für Zeit.

Ein Flugzeug fällt vom Himmel. Raketen zerschießen Völker. Banken zerstören Frieden. Überall Veränderung. So viele Wunden.

Oft schaue ich in den Himmel und sage „danke“.

Danke dafür, dass mir so viel klar geworden ist. Über den Wert des Lebens. Über dein Leben. Über mein Leben.
Ja sie fehlt mir. Doch durch diese Veränderungen in meinem Leben habe ich sie immer bei mir. Jeden Tag. Auch jetzt. Danke, Anni.

Deine Nele

 

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.- Mark Twain

4 Antworten
  1. Steffi
    Steffi says:

    Hallo liebe Nele,

    Du hast einen super tollen Blog. ♡

    Der Bericht hat mich eben echt berührt, da ich so viele Parallelen zu meinem Leben erkannt habe. Ich habe vor kurzes auch mein neues Leben „gestartet“ und bin dankbar für jeden neuen Tag, egal ob Regen oder Sonnenschein. Ich genieße jeden Augenblick und mach mir auch nicht mehr den Stress (Stichwort Party: Ist genug Essen für alle da? etc 🙂 ).

    Ich wünsche Dir weiterhin alles Liebe und Gute. Du machst es genau richtig. Es gibt nur das eine Leben.

    Liebe Grüße
    Steffi

    Antworten
    • Nele
      Nele says:

      Liebe Steffi, vielen Dank für deinen Beitrag und deine persönlichen Worte. Ich freue mich so so sehr, wenn ich Menschen wie dich erreiche. Und Menschen, die so werden wollen 🙂 .
      Ich wünsche dir alles alles Gute – heute, morgen und jeden darauf folgenden Tag.
      Viele Grüße,
      Nele

      Antworten

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